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„Elternwille wird einfach ignoriert“
Donnerstag, 5. März 2009, 14:19 Uhr

von:

DANIELA VEUGELERS


Kategorie: Nettetal

Nettetal. Anfang Dezember spielten sich wieder dramatische Szenen im Büro von Roland Schiefelbein, Leiter der Gesamtschule ab. Insgesamt 124 der 229 an der Schule angemeldeten Kinder mussten abgelehnt werden. Verständlicherweise machten zahlreiche Eltern ihrer Enttäuschung über die Absage Luft.


„Die Tage nach der Absendung der Bescheide sind die Hölle“, weiß Schiefelbein. Denn seit der Gründung der Gesamtschule im Jahr 1990 war der „Run“ der Eltern auf die neue Schule enorm hoch. Insgesamt mussten weit über 1.000 Schüler abgelehnt werden. Seit 2002 rund 100 bei jeder Anmeldung.

Trotz des transparenten Wahlverfahrens fühlen sich einige Eltern ungerecht behandelt. „Die Entscheidung setzt sich aus den vier Kriterien Noten, Gutachten, Empfehlung und persönlichem Gespräch zusammen. Danach teile ich die Schüler in drei Leistungsgruppen ein und dann wird gelost. Dabei entscheidet Kommissar Zufall“, klärt der Schulleiter auf. Den Trend zur Gesamtschule beobachten Experte seit Jahren landesweit. Jetzt freute sich die Bezirksregierung über sinkende Anmeldezahlen. Fachleute führen diesen zarten Rückgang der Anmeldungen jedoch auf die fallenden Schülerzahlen zurück.

Platz, die bestehende Höchstgrenze von 120 Schülern an der Gesamtschule aufzustocken, sieht Schiefelbein an seiner Schule nicht. „Wir warten seit zwei Jahren auf zwei Räume für den gemeinsamen Unterricht. Wir haben keine Klassenräume über“. Bei einem Anbau der Schule sieht der Rektor das pädagogische Konzept, aufgrund der hohen Schülerzahl, gefährdet. „Unserem Willen wird nicht entsprochen“, klagten am Dienstag aufgebrachte Mütter bei der Grünen-Mitgliederversammlung.

„Angesichts von über 1.000 abgelehnten Schülern muss die CDU doch zur Kenntnis nehmen, dass der Elternwille nach einer zweiten Gesamtschule klar vorhanden ist“, so eine Mutter. Vor allem für berufstätige Alleinerziehende und Eltern im Schichtdienst sei ein Platz in der Gesamtschule unerlässlich.

Aber ein Neubau, wie die Mütter ihn fordern, steht Schuldezernent Armin Schönfelder ablehnend gegenüber. Hierbei spielen für ihn vor allem drei wesentliche Fakten eine Rolle: Zum ersten forderten bei der kürzlich durchgeführten Elternbefragung 71 Prozent der Eltern die Beibehaltung des gegliederten Schulsystems von Haupt-, Realschule und Gymnasium, zum zweiten würde langfristig eine zweite Gesamtschule zur Schließung der beiden Hauptschulen und vielleicht der Realschule in Nettetal führen. „Dies würde die Schulfreiheit massiv einschränken“, so der Dezernent Schönfelder. Drittens dürfte eine neue eröffnete Gesamtschule nicht im Ganztagsbetrieb geführt werden. „Natürlich verstehen wir die Sorgen der Eltern, wir nehmen aber auch den Elternwillen ernst und deshalb ist die zweite Gesamtschule kein Thema für uns“, so Schönfelder. Ein Neubau einer Gesamtschule sei auch mit Blick auf den Schulentwicklungsplan völlig widersinnig, da die Schülerzahlen einbrechen und somit Raum leer stehen würde.

„Nur 28 Prozent der Eltern haben erklärt, die Gesamtschule sei für sie erste Wahl“, zitiert der Dezernent aus der Studie. Vielmehr will die Verwaltung noch mehr im Netzwerk Schule und Wirtschaft und dem Euregio-Ausbildungsprogramm die vielen individuellen Wege zum geeigneten Ausbildungsplatz aufzeigen. „Das engagierte Ausbildungsprogramm an der Hauptschule Kaldenkirchen zeigt, welche Möglichkeiten der individuellen Förderung den Schülern an dieser Schulform geboten wird“, wirbt der Schuldezernent.

Ein Blick auf die Anmeldezahlen zum Gymnasium zeigen, dass die Gesamtschule mit 229 (Vorjahr 260) Anmeldungen klar vorne liegt. Am WJG meldet sich 82 (Vorjahr 72) Schüler an. Sorgen bereitet Schönfelder dabei die Tatsache, dass sich 51 Schüler an auswärtigen Gymnasien in der Umgebung (Mülhausen, AMG und Städtisches in Dülken) beworben haben.








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