09. Februar 2012 - Nettetal

Zum Gedenken an die Opfer der NS-Zeit

Nettetal. Etwa 100 Menschen zwischen 15 und 85 Jahren waren beeindruckt, als an der Fährstraße 12 und der Steyler Straße 7 in Kaldenkirchen „Stolpersteine“ verlegt wurden für Hedwig Lion und ihre Eltern Max und Elisabeth sowie Ruth Harf und ihre Eltern Simon und Lina Harf.

Foto: Frank Hohnen

Die Initiative für die Verlegung ging von der Gesamtschule aus. Mit dem Schicksal der jüdischen Familien Lion und Harf hatten sich im Vorfeld fünf Schülerinnen der Gesamtschule Nettetal auseinandergesetzt. Das Bild von Hedi Lion und viele andere Informationen zum Holocaust haben sie in der Schule ausgestellt. Dass sie die Erinnerung wach halten wollen, wurde den Schülerinnen bei einem Besuch des „Zugs der Erinnerungen“ klar, der an das Schicksal von deportierten und ermordeten Kindern erinnert.
Mit den sechs Stolpersteinen wollen die Zwölftklässlerinnen deutlich machen, dass die Menschen, die damals ermordet wurden, in der Nachbarschaft gewohnt haben. Außerdem sollen die Familien durch die Steine wieder zusammengeführt werden. Im Vorfeld trugen sie viele Informationen zusammen und recherchierten im Buch „Die drei Eisheiligen“. Zudem trafen sie sich mit einer Zeitzeugin, die Hedi Lion kannte.
Wilfried Johnen, Geschäftsführer des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von Nordrhein, bedankte sich bei der Geschichtslehrerin Julietta Breuer und ihren Schülern, die  beim Zug der Erinnerung 2010 mitgewirkt hatten und sich mit dem Schicksal jüdischer Bürger befassten. „Nur wer vergessen wird, ist wirklich tot!“ Wilfried Johnen betonte im Gespräch mit den GN, dass er die Verlegung von Stolpersteinen ausdrück-lich begrüße.
Er habe diese beispielhafte Aktion in Nettetal unlängst bei einer Podiumsdiskussion im Landtag beim Holocaust-Gedenktag erwähnt und werde dies auch weiterhin tun. Im Anschluss verlegte der Kölner Künstler Günter Demnig die Stolpersteine.
Gesamtschulrektor Roland Schiefelbein bedankte sich bei der Stadt und dem Bürgerverein Kaldenkirchen für die Unterstützung: „Ich bin persönlich sehr froh, in einer so offenen Stadt zu arbeiten“, so Schiefelbein.
Bürgermeister Christian Wagner zitierte in seiner Ansprache Marcel Reich-Ranicki, der anlässlich des Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus im Bundestag gesprochen hatte. Die Initiative der Schülergruppe sei ein Signal, die Erinnerung an die Vergangenheit wach zu halten, wachsam zu bleiben in der Gegenwart: „Lasst uns auch in Zukunft jeder Form von Extremismus und Antisemitismus entgegentreten!“
Heinz-Willi Schmitz, Vorsitzender des Bürgervereins Kaldenkirchen, ging auf die Erinnerungskultur in Kaldenkirchen ein mit der Tafel gegenüber der ehemaligen Synagoge, dem Gedenkstein auf dem Friedhof, und dem Grundriss der Synagoge.
Während der Gedenkstunde verteilten die Schüler Fotos der Familienangehörigen und Bilder des Hauses an der Ecke Fähr-/Venloer Straße, die Stelle genau an der Ecke fand der Künstler sehr gut geeignet. Sie verlasen die Namen der jüdischen Bürger aus Breyell, Kaldenkirchen und Lobberich. Beeindruckt sprachen die Versammelten von einer würdigen und angemessenen Gedenkstunde.

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