18. November 2010 - Nettetal

Breyeller Juden ein würdiges Andenken erhalten

Nettetal. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, sagt Künstler Gunter Demnig und rief vor mehreren Jahren die Aktion „Stolpersteine“ ins Leben. Seitdem hat der Künstler 27.000 solcher Steine in 602 Orten der gesamten Republik verlegt. Seit dem vergangenen Donnerstag sind es sechs mehr.

Foto: Frank Hohnen

Im Rahmen einer würdigen Gedenkfeier verlegte der Künstler persönlich fünf Steine in Erinnerung an Margarete Kaufmann, Werner Klaber, seine Mutter Ilse Klaber,  Josy Levy und Emma Sara Levy vor dem Haus auf der Josefstraße 66 (ehemals 62a). 

Initiatorin Vera Gäbler begrüßte gut 50 Gäste vor dem Haus Josefstraße 66, in dem die Familie Klaber lebte. Zur Einstimmung spielte Saxophonist Michael Drabben ein Kletzmer-Lied, bevor Vera Gäbler das Wort ergriff. Sie dankte allen Helfern bei Stadt, Verwaltung und im privaten Umfeld, die finanziell oder organisatorisch zum Gelingen der Aktion beigetragen haben. „Wir wollen mit den Stolpersteinen dafür Sorge tragen, dass diese Menschen in unserer Stadt niemals vergessen werden. Mit dieser Verlegung wird heute in Breyell etwas gegen das Vergessen getan“.

Bürgermeister Christian Wagner erinnerte an die Tatsache, dass „fast auf den Tag genau vor 72 Jahren, am 9. November 1938, die Nationalsozialisten die Synagoge auf der Biether Straße zerstörten. Eine Scherbe der Synagoge war für Vera Gäbler Grund genug,  sich für die Verlegung eines Stolpersteines als Erinnerung an die ehemalige Synagoge einzusetzen.“ 

Wagner unterstrich, dass man die Erinnerung an den Holocaust wach halten müsse, „denn der Holocaust geschah nicht irgendwo sondern auch hier in Nettetal, mitten unter uns.“ Daher freue es ihn umso mehr, dass sich eine Schülergruppe der Gesamtschule Breyell mit dem Thema „Juden in Breyell“ beschäftigt hat und sich in die Gedenkfeier mit einbringt. 

„Sie haben ihre jeweiligen Einzelschicksale aufgearbeitet und aus Geschichte wurden so persönliche Geschichten“, so Wagner. Ziel der Schüler ist es, eine Gedenktafel für die Synagoge aufzustellen. 

Leah Floh von der jüdischen Gemeinde Mönchengladbach bat die Anwesenden, „das historische Erbe anzunehmen“ und  die Erinnerung an den Holocaust, auch für die kommenden Generationen, wach zu halten.

Im perfekten Deutsch bedankte sich der Hinterbliebene Jack Klaber, der extra mit seiner Ehefrau aus Israel angereist war, für die „fantastische Arbeit und Energie, die Vera Gäbler aufgebracht hat, um die Verlegung der Stolpersteine zu realisieren. Worte fehlen, um meinen Dank auszu- drücken.“ Nachdem die Erinnerung an die Breyeller Juden fast drei Generationen komplett ausgelöscht zu sein schien, „ist mit der Verlegung das Kapitel meiner Familie in Breyell positiv abgeschlossen“. 

Der sechste Stein wurde schließlich in Erinnerung an Babette Klaber vor dem Haus Felderend 25 verlegt. Nicht nur die Mutter von Fritz Klaber lebte bis zur Deportierung in diesem Haus, auch ihr Sohn Fritz, der einzige überlebende Jude aus Breyell, betrieb dort nach dem zweiten Weltkrieg seinen Viehhandel.

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